Haller Tagblatt ,12.03.2008

Kleines Theater Hall spielt „Malfälscher" von Peter Hauser

Bekannt ist das Kleine Theater Hall für seine humorvolle Sicht der Dinge. Jetzt aber hat es ein durch und durch ernstes Stück zur Uraufführung gebracht: "Malfälscher" von Hausregisseue Peter Hauser.

Es handelt vom Holz, das die Haller Sieder für die Feuer unter den Siedepfannen brauchten. Es wurde im Limpurger Land geschlagen und über den Kocher nach Hall geflößt. Dabei ist sicher mancher Stamm abhanden gekommen – und hier setzt Hauser an. Der Titel bezieht sich auf die Male, die ins Holz geschlagen wurden, um zu kennzeichnen, wem es gehörte. Hauser konstruiert kriminelle Machenschaften von Banden, die Holz aus dem Kocher stehlen und Mitwisser gnadenlos beseitigen.

 

Hausers Text stellt die Einsamkeit der Menschen auf den Bauernhöfen der frühen Neuzeit dadurch dar, dass die Protagonisten kaum miteinander reden. Jeder sinniert vor sich hin, macht Andeutungen darüber, was er gesehen hat oder vermutet. Warum musste der Bauer sterben, fragen sich die Bäuerin Marie, die Alte, der Knecht Frieder, die Magd Traude und nicht zuletzt Anna, die Tochter des Bauern.

Die Regie, die ebenfalls die Handschrift Peter Hausers trägt, unterstreicht diese Statik noch: Jeder Mensch in dieser engen ländlichen Welt hat seinen zugewiesenen Platz, den er kaum verlässt. Der Knecht schnitzt, die Magd wäscht, die Alte zupft Heilkräuter ab und Anna spielt mit Moos und Steinen.

Ernst und still ist dieses Stück. Es ist ein Nachdenken über das Schicksal, über den Tod und über das gar nicht so Gute in der alten Zeit. Darin ist es anrührend. Doch die Statik auf der Bühne macht aus dem Stoff fast mehr ein Hörspiel als ein Theaterstück. Auch die Handlung kommt nicht gleich in Gang – Peter Hauser hat gründlich recherchiert, und so vermittelt er zuerst einmal sein Wissen.

Durchweg ausgezeichnet ist die Leistung der Amateurschauspieler. Rainer Möck gibt den Knecht Frieder, der das Schweigen gelernt hat, ausgesprochen glaubhaft. Ebenso überzeugend sind Beate Meier- Lang als trauernde Bäuerin und Elke Feucht als die Alte, die mit ihren Heilkenntnissen fürchten muss, als Hexe zu gelten. Sehr erfreulich sind auch die darstellerischen Fähigkeiten der jungen Generation im Kleinen Theater Hall: Hanna Feucht als Magd Traude und Mira Scherrer als Anna fügen sich nahtlos ins Ensemble ein.

Für die Mimen gab es langen, kräftigen Beifall

                                                                                                                                                                                                                                                                                          von Monika Everling

 

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