Kleines Theater Hall bietet unterhaltendes Zweipersonenstück - Regie mit Mut zur Stille

Zu zweit einen ganzen Theaterabend zu gestalten, ist eine große Herausforderung. Elke Feucht und Rainer Möck vom Kleinen Theater Hall haben sie angenommen - und mit Bravour bewältigt.
In "Josef und Maria" von Peter Turrini spielen sie Ernstes zum Thema Heiligabend und Einsamkeit.
Die Geschichte ist schlicht und durchschaubar: Maria, die Putzfrau, und Josef, der Wachmann, haben an Heiligabend nach Ladenschluss noch Dienst im Kaufhaus. Auf beide wartet kein trautes Heim, kein Festmahl im Familienkreis: Josef hat sich als alter Kommunist dem Wohl der Menschheit verschrieben und gleich gar keine Familie gegründet; Maria ist Witwe, und ihr Sohn hat sie zu Weihnachten ausdrücklich ausgeladen.

Das ist tragisch, aber man kann ihn verstehen: Maria bemuttert ihn in völlig unvernünftiger Weise und streitet ständig mit seiner Frau.
Im leeren Kaufhaus, zwischen seelenlosen Möbeln mit beachtlichen Preisen, treffen sich die beiden also und reden so lange aneinander vorbei, bis sie schließlich doch noch unter einer Decke stecken - auf dem Klappsofa. Und als Happy End schauen sie sich nach mehr als eineinhalb Stunden endlich in die Augen!
Elke Feucht ist die Hauptdarstellerin an diesem Abend. Sie kann hier ihre großen schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Als gediegene Dame, gekleidet im Landhausstil, betritt sie den Raum.
Doch die gepflegte Ausstrahlung gibt sie quasi an der Garderobe ab und tauscht sie gegen Kittelschürze und Gummihandschuhe ein. Diese erste Verwandlung ist Sinnbild für die Scheinwelt, in der Maria lebt. Dazu gehört das Fläschchen, das sie baldmöglichst aus seinem Versteck zieht: "Ab und zu ein Schluck gegen das Alleinsein - aber alles mit Maß und Ziel", lügt sie sich selbst in die Tasche.
Elke Feucht mimt die alternde Frau, die sehnsuchtsvoll die Liebesbriefe ihrer verstorbenen Nachbarin liest, weil sie selbst die große Liebe nie erlebt hat, absolut überzeugend. Sie hält den Spannungsbogen in diesem langen Stück bis zum Schluss.
Rainer Möck steht ihr da kaum nach. Mit starrem Blick drischt er die Phrasen des untergegangenen Kommunismus. Josef ist ein Übriggebliebener: Er werde inzwischen nicht einmal mehr ausgelacht, klagt er. Auch er hat seine Lebenslügen: Seinen Liebesbrief hat er zwar selbst geschrieben, doch die Frau , an die er gerichtet war, gab es nie. Möck spielt das Waisenkind aus einfachen Verhältnissen, das über erstaunliches Geschichtswissen verfügt, und das die Nähe der Menschen scheut, erdrückend echt.
Die Regie von Peter Hauser zeigt Mut zur Stille: Es gibt kaum Geräusch- oder Lichteffekte (Technik: Dirk Abrecht). Das leere Warenhaus zu füllen, obliegt allein den beiden Schauspielern. 
                                                                                                                                                                                                                                                                             von Monika Everling, Haller Tagblatt, 16.12.2004

 

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