Achdu miniBerührende Premiere: Kleines Theater Hall zeigt Stück über Demenz:

Das Kleine Theater Hall feiert mit "Ach, du bist es..." Premiere im vollbesetzten Theatersaal im Alten Schlachthaus. Das Stück zeigt Szenen, die ans Herz gehen, Ängste wecken - und doch Hoffnung machen. Das Schauspiel von Elke Feucht, Rainer Möck, Hanna Feucht und Judith Feucht in der Regie von Peter Hauser besticht durch seine Authentizität.

Ludwig Weiß leidet in dem Stück von Peter Hauser an Demenz, lebt im Pflegeheim - mal weiß er das, ist mit den Gedanken im Hier und Jetzt, mal lebt er in der Vergangenheit, kann sich an all jenes, was um ihn herum geschieht, nicht mehr erinnern. Seiner Frau Maria fällt es schwer, sich an die Situation zu gewöhnen, dennoch besucht sie ihren Ehemann täglich. Allzu oft kommt es zwischen den beiden jedoch zu Missverständnissen und Streit.

"Ich will nach Hause", fordert Ludwig seine Frau dann in klaren Momenten auf. In unklaren Momenten - und diese überwiegen - weiß Ludwig nicht einmal, wer da eigentlich vor ihm steht. Er erkennt seine eigene Frau nicht mehr. Dann lebt er in der Vergangenheit, in der er als politischer Aktivist gegen Missstände vorging und durch die Welt reiste. "Meine Frau ist tot", behauptet Ludwig dann, wenn er sich lediglich an seine erste, bereits verstorbene Gattin entsinnen kann. Vor den Kopf gestoßen, sucht Maria das Gespräch zu Pflegerin Sophie. "Ich erkenne meinen Ludwig gar nicht mehr. Das Ganze bin ich nicht gewohnt", stellt Maria enttäuscht fest. "Dann sollten sie sich schnell daran gewöhnen", rät Sophie.

Unterstützung in all seinem Tun und Denken findet Ludwig bei Erna, einer Dame, die - ebenfalls an Demenz leidend - im Pflegeheim lebt. Sie ist in den Protagonisten verliebt, und doch dreht sich ihr Leben allein um sie selbst.

Das Schauspiel von Elke Feucht, Rainer Möck, Hanna Feucht und Judith Feucht in der Regie von Peter Hauser besticht durch seine Authentizität. Mal sitzt Rainer Möck alias Ludwig Weiß stoisch da, in Gedanken versunken, mal wird er binnen Sekunden aggressiv, scheint die Kontrolle über sich selbst zu verlieren, dann wirkt er wieder hilflos, abseits des eigenen Lebens. Auch Elke Feucht, die die Rolle der Erna Riesch übernimmt, nimmt die Zuschauer mit auf eine ganz eigene Reise in die Gedankenwelt eines an Demenz erkrankten Menschen.

"Das sind Szenen wie aus dem Leben gegriffen", stellt das Ehepaar Gisela und Hanspeter Ziegler aus Hall nach der 70-minütigen Aufführung begeistert fest. "Vergleichbares, wie das, was man hier auf der Bühne gesehen hat, haben wir schon erlebt." Der Stoff gehe an die Substanz, mache die eigene mögliche Zukunft präsenter. Gleichzeitig könne man so auch lernen, mit dem Thema umzugehen, meinen sie. "Man muss die Krankheit ernst nehmen, man weiß schließlich nie, ob man selbst einmal davon betroffen sein wird."

Lydia-Kathrin Knirsch im Haller Tagblatt, vom 3.Mai 2014
 

johanna klein

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