Acht Frauen in einem Haus, und eine davon muss wohl die Mörderin des Hausherrn sein. Das Kleine Theater Hall spielt die Krimi-Komödie mit großer Darstellungskunst.

8Fr websiteFoto: Sipan Khalaf

Trautes Heim, Glück allein – könnte man denken, wenn man das Bühnenbild für „Die acht Frauen“ im Haller Alten Schlachthaus sieht. Rainer Möck vom Kleinen Theater Hall hat dort ein gemütlich-altmodisches Wohnzimmer drapiert, samt Treppe in ein imaginäres oberes Stockwerk. Draußen vor dem Fenster schneit es unentwegt, drinnen sorgen warme Farben, ein ornamentierter Teppich und eine gehäkelte Tischdecke für Wohlbefinden. Aber mit der Gemütlichkeit ist es schnell vorbei, als das Dienstmädchen entdeckt, dass der Hausherr mit einem Messer im Rücken im Bett liegt. Wer hat ihn ermordet? Da in der Nacht keine Fremden im Haus waren, muss jemand von der Familie der Täter sein – genauer gesagt die Täterin, denn außer dem Vater leben nur Frauen im Haus. Argwöhnisch beobachten sie sich. Brenzlig wird die Situation, als auch die Hunde sterben und Kaffee serviert wird. Ist er vergiftet? Wer hat den Vater zuletzt gesehen? Die Frauen absolvieren das Fegefeuer schon vor dem Tod, heißt es im Stück. 
                                                                                                                                                
Peter Hauser, der Hausregisseur des Kleinen Theaters Hall, bewegt sich in seiner Interpretation des Theaterstücks von Robert Thomas in wohltuender Weise ein ganzes Stück weg von der bekannten Verfilmung von François Ozon mit berühmten Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve und Isabelle Huppert. Er hat den weiblichen Teil des Ensembles des Kleinen Theaters Hall mit der jeweils passenden Rolle betraut:
Herrlich verbittert.
Beate Meier-Lang ist eine souverän wirkende Großmutter, die immer wieder zwischen Streitenden vermittelt, aber durchaus auch eigene Interessen verfolgt. Sue Gallinat gibt als Mutter Gaby eine kühle, berechnende Schönheit, die anderen moralische Vorhaltungen macht, sich selbst aber mit anderen Maßstäben misst. Deren Schwester Augustine wird von Elke Feucht herrlich verbittert dargestellt – sie erntet die meisten Lacher. Susanne (Judith Feucht), die ältere Tochter, ist schon als Studentin ganz Dame von Welt. Sie wirkt frohgelaunt und versöhnlich. Dass sie nach einem Jahr Abwesenheit zuerst der Dienstmagd um den Hals fällt und erst dann die Großmutter begrüßt, scheint letztere nicht übel zu nehmen – dieser netten, hübschen Susanne kann man nicht böse sein. Ihre 15-jährige Schwester Catherine ist ganz anders, viel aufmüpfiger und ein bisschen überdreht. Theresa Müller verkörpert das neugierige Gör, das nicht mehr „die Kleine“ sein will und – wie sich spät zeigt – alle anderen in der Hand hat. Sehr verschieden sind auch die beiden Hausangestellten, einerseits Madame Chanel (Julia Lukas), seit Jahrzehnten die gute Seele des Hauses, und andererseits die junge, schnippische Louise (Nadire Öz).
Dame in diabolischen Farben
Und dann taucht auch noch Pierrette auf, die Schwester des Vaters. Sie ist als ehemalige Nachtclub-Tänzerin nicht gerne gesehen in dem ehrenwerten Hause. Hanna Feucht tritt denn auch als Zwischenwesen von Vamp und Dame auf, in den diabolischen Farben schwarz und rot gekleidet.
Es ist ein sehr spielfreudiges Oktett, das da auf der Bühne steht. Unter den Amateurtheatern spielt das Kleine Theater Hall zweifellos in der oberen Liga mit. Elke Feucht, Mitbegründerin des Theaters, ist da nach wie vor zuerst zu nennen. Köstlich, wie ihre Augustine urplötzlich aus einer Ohnmacht erwacht, als ihr eine Ohrfeige angedroht wird. Aber auch alle anderen Darstellerinnen verkörpern ihre Rollen glaubwürdig. Und das ganze Ensemble zeigt professionelle Selbstbeherrschung, als in der zweiten Aufführung ein technisches Missgeschick geschieht: Statt eines Schusses ertönt Hundegebell. Und die Schauspielerinnen lassen sich nichts anmerken, kein Grinsen, keine Verblüffung. Super!

MONIKA EVERLING im Haller Tagblatt vom 03.05.2017

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